Harzklub-Zweigverein Stecklenberg
Sieben Buchen für Ortsgründer
"Fischers Buche" war im Frühjahr gebrochen und darum gefällt
worden
von Detlef Anders
Stecklenberg/MZ. Nicht weit von "Bormanns Wiese", die sich
an der alten Heerstraße zwischen Quedlinburg und Nordhausen, genauer oberhalb
des Steigerkopfes zwischen Bad Suderode und Friedrichsbrunn befindet, stand
noch im Januar eine uralte riesige Buche. "Fischers Buche" wurde der
Baum, der aus sieben Bäumen zusammen gewachsen war, seit Generationen genannt.
Seit wann der Baum, diesen Namen hätte, ist nicht genau bekannt.
"Die Bezeichnung, geht auf den Amtmann Leberecht Fischer zurück, der
das Friedrichsdorf in Suderode und Friedrichsbrunn gegründet und in Stecklenberg
Leute angesiedelt hat", erklärte Georg Baars, der Vorsitzende des
Stecklenberger Harzklub?Zweivereins, am Wochenende. Mitglieder des Vereins hatten
sieben junge Buchen gepflanzt, aus denen wieder eine mehrschäftige "Fischers
Buche" wachsen soll. Anfang Februar war aus der alten, ebenfalls siebenschäftigen
Buche ein Schaft herausgebrochen und der Forst hatte daraufhin den Baum gefällt,
bedauerte er.
Leberecht Christian Fischer hatte das Stecklenberger Amt 1756 im Brauhaus von
seinem Vater Andreas Martin Fischer übernommen, der es 1732 wie damals
nicht unüblich ersteigert hatte. Wie Ortschronist Dieter Steffen berichtete
hat sich Leberecht Fischer für etliches verdient gemacht. "Er war
derjenige, der unseren Ort zu verantworten hat." In seiner Amtszeit, wurde
aus dem "Vorwerk unterm Steckelberg" mit 23 Familien ein Ort. 24 Kolonisten
siedelte Amtmann Fischer an. "Er hat vom Staat eine Summe Geld bekommen
und Häuser samt Nebengelass gebaut"' schilderte Dieter Steffen. Diese
Wohnstellen verkaufte Fischer an die Siedler und im Gegenzug bekam er Vergünstigungen,
wie freie Jagd.
Umstrittene Methoden
Als der preußische König 1772, 1000 Ausländer im Land ansiedeln
wollte, hatte sich Leberecht Fischer bereit erklärt, 100 Leute anzusiedeln.
Für 35 Kolonisten wollte er das Friedrichdsdorf im heutigen Bad Suderode
bauen, 50 Kolonisten sollten am ungetreuen Brunnen, dem heutigen Friedrichsbrunn,
Häuser erhalten und 15 Kolonisten wollte er in Stecklenberg ansiedeln.
Dieter Steffen schreibt seinem Ortsgründer dabei frühkapitalistische
Methoden im untergehen Feudalismus zu. Statt Eichenbalken wurden Buchenäste
in den Dachstühlen verwendet, die bald zum Einsturz mancher Bauten und
zu Aufruhr bei den Kolonisten führten.
Der "brave Mann" und treue Vasall", als den der König den
arbeitseifrigen Amtmann kannte und den er deshalb mit Titeln wie Kriegsrat,
Domänenrat, Kammerrat und Forstrat überhäufte, fiel darauf hin
in Ungnade. 1784 musste Leberecht Fischer seinen Hut nehmen. Dieter Steffen
weiß, dass der ehemalige Amtmann sein Gut, den Lindenhof in Neinstedt,
daraufhin verließ und auf ein Rittergut in Norddeutschland zog, wo er
nach Fehlinvestitionen in Meliorationsprojekte verarmt 1792 starb.
Sogar Hüttendirektor
Aber Dieter Steffen berichtet auch, dass Fischer zum Erhalt der Neinstedter
Katharinenkirche beitrug und beim Aufbau des Eisenhüttenwerkes in Thale
eine große Rolle spielte. Als Forstrat versorgte er die Blechhütte
mit dem zum Heizen der Öfen nötigen Holz, genauer der Holzkohle. Im
Jahre 1780 wurde Fischer sogar zum Hüttendirektor ernannt.